1. Vorbereitungen
2. Ursprung
3. Totes Leben
Tag me!

RFID-Chips auf dem Vormarsch
Im Jahr 2003 beginnt die Seite del.icio.us mit der Anwendung von Tags, einem Schlagwortprinzip. Das Geniale ist nicht das Etikettieren von Texten, Mediadateien o.ä. sondern deren Auswertungsmöglichkeiten. Während Suchmaschinen bisher vom Vorkommen bestimmter Wörter auf den eigentlichen Inhalt schließen mussten, konnte von nun an der Autor den Sinn mitgeben. Die „Wortwolken“ entstanden und sind seitdem auf Blogs und Social Network-Seiten und in Desktop-Anwendungen zu finden. Der Anwender konnte plötzlich mit dem Computer über „Sinn und Inhalt“ kommunizieren. Eine Scheinintelligenz hielt Einzug, die eigentlich nur die konservierte Intelligenz des „Menschen auf der anderen Seite“ war.
Der Internetnutzer hat sich rasch an diese neue Kultur gewöhnt. Und es verwundert nicht, das Gegenstände, wenn sie in eine digitale Intelligenz mit hinein genommen werden sollen, ge„taggt“ werden müssen. Sie erhalten eine für den Computer verständliche Identität, bzw. Individualität. Dieses „Tagging der Gegenstände“ wird schon länger von elektronischen Chips – den RFID-Chips¹ übernommen.
Wer sich in die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens hineindenkt, kann die Euphorie für RFID gut verstehen. Was diese Technologie vermag ist tatsächlich revolutionär. Lagerhallen, in denen Waren sich selbst einordnen oder intelligente Warnsysteme – die Logistikbranche ist vom Nutzen überzeugt. Denn RFID ist die eigentliche Schnittstelle von virtueller Welt und realer Welt. Sie setzt reale Dinge in die logistischen Fähigkeiten eines Computersystems ein OHNE dieses verlassen zu müssen. Was aber diese Technologie wirklich revolutionär (und ebenso problematisch) macht, lässt sich aus einer anderen Perspektive besser erkennen. Davon will dieser Artikel berichten.
Ausweitung
Bis vor kurzem war das Internet ein in sich begrenzter virtueller Raum. Es funktionierte innerhalb eines geschlossenen Datenkreislaufs. Mit WiFi und Handys begannen diese Grenzen immer mehr aufzuweichen. Was aber diesen Prozess um die Jahrtausend-Wende kennzeichnete, war eine gewisse Innovationslosigkeit. Niemand schien mit dieser neuen Entwicklung etwas anfangen zu wollen. Zwar erweiterte sich das Angebot des Internet. Man konnte plötzlich Nachrichten unterwegs lesen und versenden. Die SMS wurde zur MMS wurde zur Email. Chatten, Googeln und das nächstgelegen Restaurant abrufen wurde zur Normalität und die Flatrate-Preise fielen. Doch blieb das Internet weiterhin ein in sich geschlossenes Medium. Man kann sagen, das diese Phase das Internet lediglich „ausdehnte“ und vorbereitete. Das Netz wurde unter die Menschen gebrachte und die Abhängigkeit zum Handy, dem Schlüssel zu den Dingen, wuchs.
Aus heutiger Sicht ist das ganz gut nachvollziehbar. Viele neuartige Technologie-Ideen setzen derzeit auf eine möglichst nahtlose Verbindung von realer Umwelt und virtueller Welt auf. Dazu war aber erst die Schaffung eines mobilen Netzwerks notwendig. Die Beweglichkeit des Terminals wurde Grundvoraussetzung. Die erwähnten Techniken waren im Grunde nur „Massnahmen“, um irgendwann einmal neue Wege gehen zu können. Eine dieser neuartigen Technologie-Ideen ist RFID.
Die Zeit ist da
Dabei ist die RFID-Technologie selbst nicht neu. Sie stammt aus dem Ende des II. Weltkriegs und hat sich seither immens weiterentwickelt. Anfang der 70er Jahre kamen die ersten Patentanträge auf den Tisch, in der Regel für praktische Anwendungen aus dem Automobilbereich. 1979 folgte der Einsatz in der Landwirtschaft und in den 80er und 90er Jahren der Einsatz in Mautsystemen und in diversen Kunden- und Mitgliedskarten. Heute ist RFID komplexer geworden. Und es ist schwierig, diese Komplexität in ihren Auswirkungen zu verstehen. Die Logistik ist bisher der große Antreiber in diesem Geschäft. Doch noch fehlt die Ausweitung. Wir stehen an der Schwelle, diese Technologie massiv „unter das Volk“ zu bringen. Damit wächst aber die Fragehaltung unter den „Betroffenen“. Datenspionage, Übertretung der Privatsphäre, der „gläserne“ Mensch auf der einen Seite – Innovation, beschleunigte fehlerfreie Arbeitsprozesse, Sicherheit auf der anderen. Es stehen sich zwei grundlegend verschiedene Welten gegenüber.
Zur Beantwortung der verschiedenen Bedenken werden oft technologische Werte und Fakten herangezogen. So argumentieren die Befürworter z.B. mit der Reichweite, der Sicherheit oder den Anwendungsbereichen. Das genügt vielleicht zur öffentlichen Meinungsbildung, hilft aber den Fragenden nicht weiter. Es ist bekannt, wie rasch sich die Entwicklung im Technologiesektor fortbewegt. Sicherheitslücken werden meist erst im Nachhinein erkannt und Reichweite und Kapazität sind garantiert keine festen Größen. Somit werden die Fragen auch Morgen noch die gleichen sein – nur die Antworten haben dann bereits ihre Gültigkeit verloren. Darum ist es notwendig, die Herkunft und das Wirken dieser Technologie genauer zu betrachten. Das sind die einzigen beständigen Werte in der Gleichung. Was ist RFID wirklich?
Dazu mehr im nächsten Teil RFID und die Folgen – Teil 2: Ursprung.
¹ Es gibt zahlreiche Einführungen in das Thema. Eine hilfreiche Seite ist das RFID-Journal Eine eher kritische ARTE-Doku gibt es hier. Und hier ist der Wikipedia-Artikel.
