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Willkommen im Jahr 2008! Wer jetzt noch der Zukunft im Wege steht, der soll verrecken. Denn jetzt ist es raus: Handys erregen kein Krebs. Unser Bundesamt für Strahlenschutz hat´s rausgefunden. Da heißt es: „Die Strahlenbelastung der Bevölkerung liegt trotz zunehmender Technisierung weit unterhalb der Grenzwerte.“ Na, ist das nicht klasse? Gut, zugegeben, eine kleine Einschränkung gibt es. Diese Grenzwerte beziehen sich auf Erwachsene. Also gilt dieses tolle Urteil leider nicht für Kinder. Na, aber wer lässt sein Kind auch schon mit einem Handy telefonieren?
Da gibts schon einige. Denn Kinder gehören nach der Marktsättigung im Erwachsenenbereich zur Hauptzielgruppe von Werbekampangen der Mobilfunkindustrie. 2003 hatten 43 Prozent aller 6- bis 9-Jährigen ein Handy. Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2007 für Jugendliche:
Na, jetzt aber mal nicht so voreilig. Immerhin hat unsere Studie ja nur die Ungefährlichkeit für Erwachsene bewiesen. Zu den Werten für Kinder steht ja überhaupt noch nichts fest. Das muss erst einmal richtig von uns erforscht werden.
Das wurde bereits getan. Eignene und fremden Studien veranlassen das RNCNIRP (Russisches Nationale Komitee zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung) im April 2008 zu einem Appell: „Die WHO sieht den Schutz der Gesundheit von Kindern vor einem möglichen negativen Einfluss durch EMF der Mobiltelefone als eine Aufgabe von höchster Priorität. Dieses Problem wurde auch durch das Wissenschaftliche Komitee der Europäischen Kommission bestätigt, ebenso durch nationale Behörden von europäischen und asiatischen Ländern, auch durch Teilnehmer an internationalen Konferenzen über biologische Auswirkungen der EMF (…) Wir appellieren an die Regierungsbehörden, an die gesamte Öffentlichkeit, dieser kommenden Bedrohung höchste Beachtung zu schenken und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um negative Folgen für die Gesundheit zukünftiger Generationen zu verhindern.“
Von uns erforscht habe ich auch gesagt! Also, ihr müsst euch schon an die Spielregeln halten, sonst klappt das nicht. Wir sind schon an dem Thema dran. Ist ja wohl klar.
Nicht wirklich, denn im März 2007 beantragen die Grünen „eine lückenlose Fortsetzung des erfolgreichen Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF)“ da „weiterhin ein hoher Forschungsbedarf im Hinblick auf die Erforschung der altersabhängigen Wirkungen“ besteht. Dieser Antrag wird aber im Juli von den Regierungsparteien abgelehnt: „Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht nachvollziehbar, dass die Regierungsparteien heute den Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen auf Verlängerung des Mobilfunk-Forschungsprogramms abgelehnt haben. Während die Linke und sogar die FDP diesen Antrag unterstützten, verstiegen sich CDU-Vertreter gar zu der Behauptung, dass die Forderung nach weiterer Forschung „Panikmache“ sei. Die grundsätzliche Ablehnung der Netzbetreiber und die Ignoranz der CDU/CSU zeigen, dass sie nicht verstanden haben, dass Ängste der Bevölkerung genau dadurch gefördert werden, dass Transparenz und Erforschung möglicher Folgen verweigert werden.“ (Aus der Pressemitteilung der Grünen)
So, jetzt habe ich aber die Nase voll! Also, nochmal. Unsere Studie sagt: Alles okay. Klar? Wen interessieren schon diese komischen Ansichten von irgendwelchen dahergelaufenen Wissenschaftlern? Die waren doch eh´ gefälscht. Das war doch groß und breit in den Medien.
Tatsächlich erscheinen im Mai 2008, wenige Wochen vor dem Erscheinen der Studie des „Bundesamt für Strahlenschutz“ an vielen Stellen Meldungen über die „gefälschten Daten“ aus der Wiener Studie (Die Studie hatte im Vorjahr für Sprengstoff in der Diskussion geführt, da sie zeigt, das Mobilfunkstrahlung das genetische Material schädigt und das Krebsrisiko erhöht). Ausgangspunkt für diese Verbreitung war ein Spiegel-Artikel, der ungefragt übernommen wurde und auf den sich viele andere Artikel berufen. Es stellte sich heraus, das die Aussage des Spiegelartikels zur Manipulation der Daten falsch sind. Doch darüber wird in den Medien nicht weiter berichtet. Das Urteil bleibt in der Öffentlichkeit bestehen und bereitet das Feld für den öffentlichen Empfang der Studie des Bundesamts.
„Die Studienergebnisse der Wiener UMTS-Studie wurden bereits 2006 Minister Gabriel von den Forschern vorgelegt. Minister Gabriel ignoriert nachweislich diese Ergebnisse. Dies deckt die deutsche Wissenschaftlervereinigung Kompetenzinitiative e.V. in einer aktuellen Dokumentation “Angebliche und tatsächliche Manipulation im UMTS-Staat oder Wie Strahlenschutz das Strahlenrisiko verdoppelt“( 16.6.2008 ) auf. Der Staat missachtet diese Erkenntnisse und den Vorsorgegedanken. Er ist über die Telekom selbst am Geschäft beteiligt. Die Parteien sind allesamt auf höchster Ebene mit der Mobilfunkindustrie verflochten. Für 50 Milliarden Euro Lizenzgebühren wurde der Staat gekauft und verkauft jetzt unsere Gesundheit.“ (Presseerklärung von „Der Mast muss weg„)
An den Wiener Studien zeigen sich zwei Dinge. Zum einen die hohe Manipulationsanfälligkeit der derzeitigen Wissenschaften, in der mit allen unlauteren Mitteln versucht wird, klare aber unangenehme Ergebnisse zu verschleiern. Zum anderen die tatsächliche Gefahr der Strahlung von Mobilfunk-Technik. Mit den weiteren Forschungen (wie z.B. Aus Russland oder aus England) ergänzt sich ein bedenkliches Bild, in dem die Macht der Wirtschaft deutlich zu Tage tritt. Es ist an der Zeit, das dem blinden Fortschrittswillen der verschiedenen Industrien Einhalt geboten wird.
„Würden Medikamente dieselben Prüfergebnisse wie Handystrahlen liefern, müsste man sie sofort vom Markt nehmen. Denn keine Firma der Welt würde Arzneimittel entwickeln, die bei Versuchstieren oder in Zellexperimenten Krebs auslösen und dann behaupten, das werde beim Menschen so schon nicht auftreten“
Dr. Randall Huber (Umweltbeauftragter der Österreichischen Ärztekammer)

