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Da braucht es mehrere Jahrzehnte meines Lebens, bis ich aus Versehen mal eine Wassermelone „falsch herum“ anschneide. Quer, anstatt wie üblich längs. Was da vor meine Augen kam war wie eine kleine Offenbarung für mich. In der sonst doch recht langweiligen und von Kernen nahezu wahllos durchzogenen Melonenfrucht tauchte plötzlich eine Form, ein Idee auf. Als Hobbydenker machte ich mich an die Arbeit…
Wir kennen alle die Bilder einer aufgeschnittenen Wassermelone. Sicherlich aus praktischen Gründen hat sich das Aufschneiden der Frucht im Längsschnitt eingebürgert. Das sieht dann z.B. so aus:
(Melone im handelsüblichen Längsschnitt)
Hier erkennt man noch die Kerne als um die Mitte herum orientiert. Das Prinzip dieser Kerngruppierung verleitet zunächst zu der Annahme eines Wachstums in Schichten.
Im Querschnitt fällt hingegen sofort ein weiteres und grundlegend anderes Prinzip ins Auge:
(Querschnitt einer Wassermelone)
Wir haben nicht mehr die einfache Orientierung der Kerne um die Mitte rum. Es lassen sich klar drei Bereiche unterscheiden, die symmetrisch angeordnet sind. Wie eine Momentaufnahme zeigt sich uns ein Bild der Bewegung, des Fließens und Strömens. Auffällig ist auch die Gruppierung der Kerne in den zwei Bereiche unterhalb einer jeden Fließ-Form. Bei genauerer Betrachtung erkennt man auch an einem weiteren Punkt in der Mitte eine leichte Kernansammlung von kleineren weißen Kernen, während die anderen meist groß und dunkel sind. Diese Ansammlungen wirken wie das passive Ergebnis der aktiven Wirksamkeit der Fließform-Bewegung.
(Kernansammlungen im Querschnitt einer Wassermelone)
Diese Form kannte ich woanders her. Und zwar ebenfalls aus der Küche. Vielleicht habt ihr schon einmal leicht über die Kaffeesahne gepustet, die auf dem Kaffe schwimmt. Wenn man das tut bringt man die schwimmende Sahne auf der Oberfläche in eine Rotationsbewegung. Und siehe da, es lässt sich die oben gezeigte Form erkennen.
Was liegt also näher, als die Form der Melone mit diesem Vorgang in Verbindung zu setzen. Sehen wir uns die Melone genauer an, dann kann ganz schnell eine ähnliche Form ausgemacht werden:
Doch diese ist nicht der richtige. Erst beim zweiten Schauen erkennt man den weißlich gefärbten Hauptstrang, der von Außen zur Mitte führt und sich brechend an den Scheidewänden in die zwei Richtungen aufteilt. Dieser ist es, dem der Kaffee-Sahne Vorgang entspricht:
Die Unterscheidung ist wichtig, da wir beim ersten Bild eine Bewegung von der Fruchtmitte nach Außen hätten, bei dem zweiten Bild jedoch eine Bewegung von Außen zur Mitte hin.
Wir haben also ein Beispiel zur Entstehung solch einer Fließform aus einem anderen Bereich der Natur. Und es ist nicht allzu verwunderlich, das sich dieser in einer Melone wiederfinden lässt. Die Wassermelone hieße nicht Wassermelone, wenn sie nicht eine Beziehung zum Wässrigen hätte. Ihr essbares Inneres besteht zu 95,8% aus Wasser. Aber etwas verwunderte mich. Wieso ist der Anblick bei der Sahne nur ein recht flüchtiger Moment, bei der Melone hingegen ein scheinbar Dauerhaftes? Wieso erstarrt das Innere der Melone in der Bewegung, während die Kaffeesahne ständig im Begriff ist aus dieser Form undifferenziert zu verlaufen?
Zunächst einmal sei die Frage leicht korrigiert. Es kann sich nicht um ein wirkliches „Erstarren“ handeln. Die Melone ist ein natürliches Wesen. Und wie bei allen abgeernteten Früchten haben wir kein lebloses Ding vor uns. Der Prozess des Wachsens und Reifens geht weiter. Bei der grünen Banane, beim verfaulenden Apfel und auch bei der sonst so unscheinbaren Melone. Und so kann bei der Melone etwas aufrecht erhalten werden, was bei dem unbelebten Vorgang der Sahne nicht möglich ist. Diese gibt sich ihrer Art nach den äußeren Bedingungen hin. Die Melone hingegen scheint “gehalten” zu werden. Ihr Inneres scheint während des Wachstums in eine Phase zu geraten, in der es in Strömung gebracht wird. Diese Bewegung richtet sich vom Rand kommend an die Fruchtmitte. Die Begrenzung der Scheidewände führt zu der Teilung des Stroms und zum strudelartigen Ansammeln der Kerne im hinteren Bereich am Rand der Melone. Im Verdichten während des Wachstums schließlich nehmen die Fasern und Kerne die entsprechende Form an und das „endgültige“ Bild entsteht. Ist das innere der Melone ein Abbild der Kräftewirksamkeit, die während des Wachstums vorhanden war? Oder ist die Melone, die ich esse vielleicht noch “im Fluß”. Kommen wir etwa von da zu einem anderen Verständnis unserer Realität. Zu einer anderen Vorstellung von Zeit und Dauer. Vollziehen sich Vorgänge gar so langsam, das sie in unseren Händen fest, in Händen der “Natur” jedoch belebt und formbar sind?
(Innere Fasern einer Wassermelone)
Ein weiteres Rätsel: Für die Bewegung auf der Kaffeeoberfläche gab es eine einfache Begründung – wir haben gepustet. Aber wie kommt diese Form als Abdruck einer Bewegung in die Melonen-Frucht hinein? Was stößt das „Innere“ an und wirkt dreifach in die Frucht von Außen hinein?
Hat es mit Erwärmung im Laufe des Wachstums zu tun? Ist es göttliche Wirksamkeit? Sind es Formkräfte in der Natur?
Ich habe keinen Garten und kann leider die Melone nicht in den unterschiedlichen Wachstumsperioden anschauen. Es wäre schön, wenn das jemand tun könnte oder mir berichten, falls er oder sie das schon getan hat.
Wie auch immer, die Wassermelone ist ein wunderbarer Grenzfall der Natur. Genauer betrachtet findet man das Prinzip der ineinander wirkenden und dadurch Form auslösenden Ströme jedoch an vielen anderen Stellen. Und es ist auch kein neuer Gedanke. In unterschiedlichen Weltanschauungen ist die sichtbare Form ein Ergebnis des Ineinanderfließens. Diese „geistigen Ströme“ sind nicht greifbar oder messbar. Aber ihr Wirken lässt sich aus der Natur erkennen. Hier will ich lediglich darauf aufmerksam machen, das Objekte, die wir alle so gut zu kennen glauben (und ich kenne Wassermelonen schon echt lange) immer wieder Neues in sich bergen. Der Weg in eine erweiterte Sicht der Dinge liegt eben in den Dingen selbst. Es kommt auf den Blick an. Leider ist uns dieser Blick oft verstellt.
P.S. Es ist schade, das ein Drang nach samenlosen Sorten auf dem heutigen Markt besteht. Je mehr von der Natürlichkeit unserer Umwelt verschwindet oder verändert wird, um so weniger Geistiges kann ich in ihr entdecken:
Samenlose Sorten können erzeugt werden, seit Kihara 1951 entdeckte, dass triploide Wassermelonen praktisch keine Samen bilden. Dazu werden künstlich tetraploide Pflanzen erzeugt, die als Mutterpflanzen dienen und mit Pollen von diploiden Pflanzen bestäubt werden. Die entstehenden triploiden F1-Hybriden sind steril, bilden jedoch bei Bestäubung die samenlosen Früchte.
aus: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Wassermelone)
Sterile Pflanzen werden also befruchtet und ihre Existenz verlängert. Bisher waren sterile Sorten Dank der Evolution zum eingehen verurteilt. Und das nicht ohne Grund.
Übrigens: In vielen Gemüsen (Gurken, Zucchini…) lassen sich ähnliche oder darüber hinaus gehende Prinzipien ablesen. Ich habe hier die Melone gewählt, da ich es von ihr am wenigsten erwartet hätte 
Je nach Qualität kann die Symmetrie und Ausbildung der Formen und Kernansammlung schwanken. Sicherlich ein interssanter Aspekt ist die Anbaumethode, die reifezeit und dergleichen mehr.






